Leserbrief: Kinder erwünscht?

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Die Latino-Bar „Mi Corazoncito“ in St.Gallen soll jeweils mittwochs am Nachmittag ins „Kinder-Café Herzchen“ verwandelt werden. Dies meldete das St.Galler Tagblatt am 18. August. Die Idee dazu entstand aus der Erfahrung, dass Kinder in vielen Restaurants nicht eben gern gesehene Gäste sind, wie Gastgeberin und Mutter Rahel Düsel erklärte. Ich freue mich über diese kinderfreundliche Bereicherung der St.Galler Gastronomie! Endlich ein Ort, wo ich mit meinen zwei Kids willkommen bin! Zugleich drängt sich mir aber auch die Frage auf, warum es hierzulande an Restaurants mangelt, in denen Kinder explizit erwünscht sind. Wussten Sie, dass es in St.Gallen sogar Gastrobetriebe gibt, in denen einem der Zutritt mit Kinderwagen sogar verwehrt wird?
Ein Blick nach Italien oder auch in die Länder Skandinaviens zeigt, was man unter „Kinderfreundlichkeit“ so alles verstehen könnte: Ausgewogene Kindermenüs, eine Spielinsel im Mittelpunkt des Raumes, Malutensilien, Bauklötze und Kinderbücher sind dort gang und gäbe. Und damit die Kinderwagen im Restaurant-Innern nicht stören, gibt es immer häufiger vor dem Gebäude extra einen Kinderwagen-Parkplatz.
Es braucht nicht viel, um ein Restaurant kinderfreundlich zu gestalten. Schon Farbstifte und ein Blatt Papier beispielsweise, die ganz selbstverständlich und unaufgefordert mit den Getränken serviert werden, können Kinderaugen zum Leuchten bringen und der Langeweile vorbeugen.

Kinder spielen für die Gesellschaft eine entscheidende Rolle. Das weiss auch der Inder Ganesh Bredeka, der mit seiner Familie das schmucke indische Restaurant „Samosa Little India“ an der Engelgasse in St.Gallen betreibt: Familien sind dort immer gerne gesehen und Kleinkinder essen sogar gratis zu Mittag. Denn schliesslich sind sie ja die (zahlenden) Gäste der Zukunft, wie der indische Gastgeber mir einmal lachend erzählte.

Stefan Grob
Stadtparlamentarier CVP/CSP St.Gallen

2 Gedanken zu „Leserbrief: Kinder erwünscht?

  1. Besten Dank für Ihren Leserbrief, Herr Grob! Sie sprechen mir, einer zweifachen Mutter, sehr aus dem Herzen. Diese kinderfeindliche Entwicklung und Tendenz macht mich, einer Mutter zweier eher wilder und lebhafter Kinder, sehr traurig und wütend zugleich, wollen doch immer mehr Restaurants und auch Flugzeuge Kinder am liebsten verbannen. Wo wird uns dies noch hinführen? Dass wir unsere Kinder nicht zwingen überall hin mitschleppen, ist für uns jedoch klar. Für einen seltenen, dafür aber gemütlichen kinderfreien Abend zu zweit organisieren wir auch mal einen Hütedienst. Doch dies entscheiden wir Eltern noch gerne selber und lassen uns nicht vorschreiben, wann wir was, wie und wo zusammen mit unseren Kindern zu unternehmen und zu unterlassen haben. So kehren wir ab und zu auch in „normale“ Restaurants mit Bedienung ein. Es muss ja nicht immer das Selbstbedienungslokal mit Spielecke sein. Mit etwas guter Organisation und Improvisation (Malsachen und Büchlis nehmen wir meistens mit) klappts in der Regel problemlos. Wenn ein Restaurant diese kleinen Spielsachen, einen Hochstuhl für Kleinere und nach Möglichkeit sogar eine Wickelmöglichkeit plus Gratissirup anbietet, ist die Welt der Eltern und Kinder schon in Ordnung ;). Schade und traurig, dass einige Kinder, auch ruhige, einfach als Stör- und Lärmfaktoren betrachtet, statt ihnen und den Eltern zuerst eine faire Chance zu geben. Laute Kinder sind nicht per se schlecht erzogen und die Eltern mit ihnen und deren Erziehung überfordert! Kinder können nämlich eine Bereicherung für alle sein! Wie öde, farblos, trist und langweilig wäre unsere Welt ohne Kinder und deren Lachen :(. Was gibt es Schöneres als lachende, strahlende, jauchzende, spielende, auch mal lärmende, ehrliche, direkte und noch vorurteilsfreie Kinder, die noch wahre Lebensfreude versprühen? Da könnte sich manch griesgrämiger Nörgler eine grosse, dicke Scheibe abschneiden und die Jüngsten als gutes Vorbild und tolles Beispiel nehmen! Die Motzer sollen bitte einfach bedenken, dass auch sie mal laute Kinder waren und nicht bereits als stille, ruhige, brave, „trockene“, lebenserfahrene und wohl Erzogene Kinder zur Welt gekommen sind. Kinder sind ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft und nicht Menschen zweiter Klasse. Sie haben genau so viel Respekt und Anstand verdient wie Erwachsene auch. Kinder gehören in unsere Welt, unsere Gesellschaft, unseren Alltag und unser Leben und nicht in ein Paralleluniversum. Sie lassen sich nicht einfach so wegzaubern, bloss weil sie einigen Griesgramen nicht in den Kram passen. Sie sind und bleiben unsere Zukunft, die Gäste und Kunden von morgen. Mit etwas mehr gegenseitigem Leben und leben lassen, mehr Toleranz, Respekt, Rücksicht, Verständnis, Geduld, Offenheit, Akzeptanz, Hilfsbereitschaft, Unterstützung, Lockerheit und gesundem Menschenverstand auf Seiten der Eltern/Familien und Kinderlosen wird das Zusammenleben noch viel harmonischer, friedlicher und einfacher. Denn Platz hat es auf dieser „Kugel“ für alle, egal ob Kinder, Jugendliche, Behinderte, Kinderlose, Singles, Rentner… :)!

    1. Liebe Andrea Mordasini, vielen Dank für das schöne und ausführliche Feedback auf meinen Leserbrief! Das hat mich sehr gefreut! Ich wünsche Ihnen „mit Kind und Kegel“ alles Gute und viele unvergessliche Stunden mit Ihren Liebsten. Stefan Grob

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