Leserbrief

Leserbrief „Blue Community“

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Die Stadt Gossau hat sich neu auch zur «Blue Community» gesellt. Wer der «Blue Community» angehört, anerkennt Wasser als ein Menschenrecht, verpflichtet sich Erfahrungen im Rahmen der internationalen Öffentlichkeit auszutauschen, regt Menschen an Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser zu trinken und setzt sich international für das Recht auf Wasser ein.

Wie die Stadt St. Gallen zeigt, kann man noch mehr tun. Am 27. August hat das Stadtparlament einen Wasserrappen eingeführt, der dann gleich auf zwei verdoppelt wurde. Wer in der Stadt St. Gallen Wasser bezieht, wird pro Kubikmeter zwei Rappen in einen neuen Fonds einbezahlen. So soll ein Total von 120 000 Franken pro Jahr zusammenkommen zur Unterstützung von Trinkwasserprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Damit der Wasserrappen die Konsumenten nicht belastet, beabsichtigt der Stadtrat die Wassergebühren zu senken.

Sauberes Trinkwasser ist in der ganzen Schweiz eine Selbstverständlichkeit, wir geniessen es aus der öffentlichen Hand. Aber laut UNICEF haben 2,1 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 80 % aller Krankheiten gehen auf verschmutzte Wasser zurück, täglich sterben über 10 000 Menschen an den Folgen schlechter Wasserversorgung, die meisten davon sind Kinder.

Wasser ist ein existenzielles Gut und durch nichts ersetzbar. Es ist ein freies Gut, das allen gehört – würde man meinen. Durch die zunehmende Privatisierung der Wasserquellen und Wasserversorgungssystemen, kann eine globale Gerechtigkeit jedoch nicht erreicht werden, denn private Unternehmen handeln vor allem gewinnorientiert. Wasser ist längst nicht mehr nur ein freies Gut, sondern zu einer profitablen Handelsware geworden und die Leidtragenden sind die Menschen, denen der Zugang zu sauberem Wasser durch Konzerne verwehrt und zu einem täglichen Kampf wird.

Laut der Schweizer Wasserversorger SVGW ist das blaue Gold aus der Leitung das umweltfreundlichste Lebensmittel überhaupt. Leitungswasser muss nicht transportiert werden, das Öl für die Herstellung von Plastikflaschen fällt weg und das Problem mit dem Kunststoffmüll wird verhindert. Und es ist günstig. Für zwei Liter Hahnenburger pro Tag bezahlen die Schweizer nur gerade 30 Rappen.

Als Verwaltungsrat der regionalen Wasserversorgung RWSG ist es mir ein Anliegen, mich für eine qualitative Wasserversorgung mit bestem Trinkwasser einzusetzen. Ich hoffe, dass weitere Gemeinden und Unternehmen mit positivem Beispiel vorangehen. Wir alle müssen umdenken, Vorbild sein und unseren Beitrag zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit unserem kostbaren Gut Wasser leisten.

 

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