Leserbrief: Mutige Männer gesucht!

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Kind-Vater-Meer
Warum gibt es in der Schweiz verhältnismässig wenige Frauen in hohen Managementfunktionen und in der Politik? Trotz faktischer Gleichberechtigung sind viele Frauen nach wie vor mit der Herausforderung konfrontiert, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Werner Seitz vom Bundesamt für Statistik hat es in der Tagblatt-Ausgabe vom 28. September deutlich gesagt: Es braucht langfristig einen kulturellen Wandel in unserer Gesellschaft, damit sich die Situation ändert und Frauen nicht einfach schlechtere Karten haben. Wenn wir einen Blick auf die skandinavischen Länder werfen, so wird offensichtlich, dass diese Länder uns punkto Gleichstellung einiges voraus sind. Gemäss den Vereinten Nationen ist Schweden das Land der Welt, in dem die Gleichstellung der Geschlechter am höchsten entwickelt ist. Schweden steht auf Platz eins bezüglich Beteiligung der Frauen an der Politik, fast die Hälfte der Abgeordneten im Parlament ist weiblich.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Die Gleichstellung hat sich in den letzten Jahren sicherlich zum Positiven entwickelt, aber es gibt noch viel zu tun. So fehlen nach wie vor familienfreundliche Arbeitgeber, welche es Eltern erlauben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Und die Politik muss sich weiter dafür einsetzen, ein grösseres Angebot an Kindertagesstätten zur Verfügung zu stellen sowie die familienergänzende Betreuung von Schulkindern auszubauen. Entscheidend für den oben erwähnten „kulturellen Wandel“ ist es aber, dass auch Männer den Mut haben, ihr Arbeitspensum zu reduzieren. Leider hört man immer wieder von Männern (vor allem in Führungspositionen), dass sie es sich nicht leisten könnten, das Pensum zu reduzieren, weil dies nicht der Leistungskultur in ihrem Betrieb entspreche. Gemäss der Schweizer Initiative „der Teilzeitmann“ ist das Bedürfnis jedoch gross: 9 von 10 der befragten Männer könnten es sich vorstellen, Teilzeit zu arbeiten. Unternehmen, die also Teilzeitjobs anbieten, nehmen damit einen gesellschaftlichen Trend auf und können sich positiv auf dem Markt positionieren. Höchste Zeit, dass dieser kulturelle Wandel beginnt!

Stefan Grob, Unternehmer (80%) und Stadtparlamentarier CVP/CSP Stadt St.Gallen

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