Leserbrief: Gemeinnütziger Wohnungsbau für eine attraktive und soziale Stadt

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Für die Attraktivität einer Stadt als Lebens- und Wohnraum ist eine gute Durchmischung verschiedener Gesellschaftsschichten entscheidend. Dies setzt allerdings voraus, dass auch für einkommensschwache Menschen und Familien genügend Wohnungen zu fairen Preisen zur Verfügung stehen. Doch die Mieten steigen. Nicht nur in Hotspots wie etwa Genf, Zürich und Zug – auch in St.Gallen ist die Tendenz hin zu höheren Zinsen erkennbar. Zudem gehen bei Abbrüchen oder Umbauten laufend günstige Wohnungen verloren – ich habe das selbst erlebt in meiner Familie; die Wohnung, in welcher meine Schwiegereltern seit rund 20 Jahren gewohnt haben, wurde kürzlich renoviert. Der Mietpreis für die nun kleinere Wohnung (von 4.5 auf 3.5 reduziert) ist nun mehrere hundert Franken höher als vorher!

Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften bieten Wohnungen an, bei denen der Mietzins rund 20 bis 25 Prozent tiefer liegt als auf dem gewinnorientierten Wohnungsmarkt. Dazu braucht es aber auch eine entsprechende Politik, die dies unterstützt. Die Stadt St.Gallen zeigt sich vorbildlich und fördert schon seit vielen Jahren den gemeinnützigen Wohnungsbau. In den vergangenen zehn Jahren sind so rund 400 – 500 Wohnungen entstanden. Subventioniert von einem städtischen Kredit von ursprünglich 12 Mio. Franken, wovon aktuell noch etwa die Hälfte im Topf verblieben ist.

Insofern würde eine Annahme der Initiative zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus oder des Gegenvorschlages von Stadtrat und –parlament an der bestehenden Praxis vorerst nichts ändern. Aber sie wäre langfristig gesichert und in einem Reglement verankert. Dieses beinhaltet konkrete Massnahmen wie die verbilligte Abgabe von Bauland an gemeinnützige Wohnbauträger, zinslose Darlehen und Finanzhilfe bei der Planung sozialer Wohnbauprojekte, Anschubfinanzierung bei Neugründungen von Wohnbaugenossenschaften und Stiftungen sowie der Kauf von Anteilen.

Im Unterschied zum Gegenvorschlag, sieht die Initiative einen Rahmenkredit von 10 Mio. Franken vor, der an das Reglement geknüpft ist. Für diesen Fonds gibt es sowohl gute Argumente dafür als auch dagegen. Wie diese gewichtet werden, muss jeder Stimmbürger für sich entscheiden. Wichtig ist vor allem, am 24. November ein Ja für ein Reglement zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus in die Urne zu legen – entweder über die Annahme der Initiative oder des Gegenvorschlags. Damit St.Gallen auch in Zukunft eine lebendige Stadt und ein attraktiver Lebensraum für die ganze Bevölkerung bleibt.

Stefan Grob, Vorstandsmitglied der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft St.Gallen

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