Debatte um stereotype Geschlechterrollen bei Kindern

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Leserbrief

barbie-mattel-stock-mat
Leserbrief zu Artikel im Tagblatt vom 24. Dezember 2013: „Traktor ist Mädchensache“

In ganz Europa sorgt momentan ein Katalog für Kinderspielzeug für Aufruhr – das Tagblatt hat just am 24. Dezember darüber geschrieben: Der Weihnachtskatalog der bekannten Ladenkette Top-Toy zeigt kleine Mädchen, die Spielzeugpistolen halten oder Bälle kicken, während Jungs einen rosa Puppenwagen vor sich herführen – auf Anordnung der schwedischen Regierung sollen Geschlechterrollen in solchen Katalogen nicht mehr stereotypisiert dargestellt werden. Ich frage mich: Thematisieren wir Erwachsenen da wieder einmal etwas, das völlig an der Realität des Alltagslebens vorbei geht? Und sind diese Bestrebungen tatsächlich neu oder einfach nur neu aufgetischt?

Fakt ist: Schon in den 70er Jahren befassten sich Forscher mit der Thematik von geschlechtsspezifischer Behandlung. Sie fanden heraus, dass eine „Geschlechtersensible Pädagogik“ sinnvoll wäre. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, bei dem Mädchen und Buben unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht alle ihre Fähigkeiten und Interessen entwickeln können – individuell nach den eigenen Bedürfnissen, und nicht einfach nach dem Geschlecht. Rollenstereotype werden somit in Frage gestellt, engstirnige Klischees sollen erkannt werden und letztendlich geht es darum, den Kindern zu ermöglichen, offen und ohne stereotype Ansichten in die Welt zu blicken.

Eine Möglichkeit, der Geschlechtersensiblen Pädagogik mehr Beachtung zu schenken, wäre es, wenn mehr junge Männer in Kitas, Spielgruppen und Kindergärten tätig wären. Oft fehlen den Kindern dort nämlich die männlichen Vorbilder. Mit gutem Beispiel geht die Villa YoYo St. Gallen voran, die ein offenes Angebot für Primarschulkinder bietet: Im Moment sind dort zwei junge Männer als Lernende für die Ausbildung „FaBe Kinderbetreuung“ (Fachperson Kinderbetreuung) angestellt. Den Kindern gefällt‘s und ich bin überzeugt, dass sie dadurch auch wertvolle neue Impulse für die Reflektion und Ausgestaltung ihrer Geschlechterrollen erhalten.

Link: www.villayoyosg.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.